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Landhausstilnazikrankenhaus

Ich habe mir einen kleinen Schrank ergattert. Er ist leicht vergilbt und war mal weiß, schätze ich. Lady J sagte mir, dies sei der Landhausstil. Ich wiederum meinte, es handele sich um den Nachtschrank aus einem Weltkriegssanatorium oder Nazi-Krankenhaus.  Der nächste Vorschlag eine Vase mit preisreduzierten roten Tulpen auf den Schrank zu stellen, verstärkte für mich den Nazi-Eindruck noch mehr. Daneben steht eine weiße Kanne gefüllt mit Pfefferminztee. Sie hat kleine goldene Verziehrungen am oberen Rand.  Auf der linken Seite des Schrankes stehen zwei Nägel heraus. Die habe ich von innen eingeschlagen, um ein kleines Brett als Ablage anzubringen. Die Nägel waren die einzigen, die ich auf die Schnelle finden konnte. Sie waren zu lang, deshalb standen sie heraus und ich schlug sie um.  Der Schrank, der Schrank. Ist mein Schrank. Ein Bild von mir.  Ich habe vier Jahre das selbe Paar Schuhe getragen. Es waren Arbeitsschuhe aus Leder aus England. Keine ...

Klebriger Zucker überall/Der Tod der Tiere

Wer wie ich Gebäck vertilgt, während er an Rechenmaschinen sitzt, verbreitet auf diesen und jeder anderen Fläche, die er mit seinen Griffeln berührt klebrigen Zucker. Das schafft eine persönlichere Bindung an die Geräte und Gegenstände. So ähnlich kommt es mir in letzter Zeit vor, wenn ich mit Leuten spreche und in hoher Frequenz zwischen einfühlsamer Freundlichkeit und reitgertiger Fuchtigkeit wechsle. Später liege ich dann rum und denke, dass ich einfach nur ein jemand bin, der nicht weiß, wer er ist.  Und dann stand ich gestern vor einem Spiegel und betrachtete das Wesen in diesem Glase und wusste, dass ich das sein sollte. Im gleichen Moment kam mir das aber sehr fremd vor und mich beschlich der Gedanke: Wer ist das da? Das Gesicht und die Augen kamen mir so fremd vor. Es könnte daran liegen, dass ich älter werde und auch daran, dass ich sehr viel in mir drin bin, dort Gedanken und Theoreme wälze und so kaum darauf achte, wer ich außen bin. Damit ist nicht gemeint, dass ic...

Becketts halber Schädel gehäutet

Es gibt Momente, da überschreitet die Intensität von Wahrnehmung das normale Maß: Los ging es damit, dass ich im Bett lag und jemand zärtlich das Haar an meinem Hinterkopf berührte. Mir war bewusst, dass niemand im Raum sein konnte und ich fragte in den Raum, wer da ist, ob es ein Geist ist. Und da antwortete jemand mit unverständlich tiefen Lauten, die ich aber doch als Sprache wahrnahm. Ich fragte aus einem mir unbekannten Mut heraus diese Stimme, was sie von mir wolle. Und die Stimme sagte mir, dass sie mein Leben haben wolle. Mir wurde klar, dass es sich um einen Dämon oder Geist handeln musste. Erst dachte ich, es wäre meine verstorbene Großtante, die Kontakt zu mir sucht, aber als das Wesen begann an mir zu ziehen und zu zurren, dachte ich, dass ich es mit etwas bösen oder zumindest mir nicht wohlgesonnenem zu tun habe. Und meine Großtante war mir immer sehr wohl gesonnen.  Das Wesen wollte also mein Leben oder zumindest meine  Körper und warf mich in eine Leere...

Pralle Paralle

Wenn ich übernächtigt bin, tendiert mein Hirn dazu Vergleiche zu ziehen und findet, um sich Befriedigung zu verschaffen genau diese Gleichheiten in verschiedensten Dingen. Mein Gehirn scheint Lust auf Entropie zu haben und versucht aus dem gesehenen ein großes ganzes zu bilden. Ein weiteres Beispiel dafür sind die in meinem Schlaf häufig auftretenden Weltformel-Gedanken oder Bilder. Ich liege dann halbwach da und erkenne aus Form und Anordnung der Flecken an meiner Zimmerdecke oder den Linien an denen die Wände aufeinander treffen den Sinn der Welt.  Einmal glaubte ich auch zu wissen, das Schmerz nur eine kaputte Zugbrücke über einen schlammigen Fluss ist und ich deshalb Schmerz spüre, weil eben jene Brücke die Verbindung zwischen mir und der Gefühlswelt nicht herstellen kann. Das erscheint dann im Moment der Erkenntnis völlig schlüssig, wenn ich dann aber wirklich erwache, fehlen mir elementare Bausteine der Theorie, so dass ich verärgert oder mindestens verwirrt und ohne Erk...

Müllsortierender Vogelgott

Ich bin erstaunt, wie empfindlich ich reagiere, wenn ich beim Müll sortieren und einstampfen einen kleinen Vogel im Schnee entdecke. Er saß da, sie saß da, denn ich erkannte das Tier als eine junge Taube. Ziemlich aufgeplustert mit nervösen Kopfbewegungen hin und her schauend und mit ein paar ganz feinen kleinen gelben Federn über dem ansonsten dichten grauen Kleid. Ob das Tier wohl auf seine Mutter wartete oder verstoßen wurde? Ich blieb stehen und betrachtete im Wechsel das Tier und die Regungen in meinem Inneren. Der Anblick bohrte sich in mein Emotionszentrum und rief ein Mitleid hervor.  Aber ich tat nichts. Ich habe bisher nur einmal einen Vogel gerettet und seit dem glaube ich, dass es besser ist, mich nicht in den Lauf der Natur einzumischen und Gott zu spielen und zum Beispiel diese Taube zu "retten". Was hätte das in diesem Fall bedeutet? Hätte ich sie in einen Karton packen und füttern sollen? Hätte sie das mit sich machen lassen? Erst kürzlich las ich in ...

Das Spiel mit dem Krokodil

Es hat sich eingeschlichen, dass ich gegen 5 oder 6Uhr morgens erwache, mich nicht erhebe, so denn ich mich gebettet habe, sondern herumliege und Gedanken mich beschleichen. Solche, die sich im Dunkel der Nacht und Dämmerung bedrohlich gebaren und meinen Brustkorb verengen. So liege ich dann wach, bis es hell wird. Mit der Helligkeit verlieren die Gedanken ihre Drohkraft und ich falle zurück in einen Schlaf, der geprägt ist von vielen kleinen Träumen.  Da habe ich von Hamburger Straßen geträumt oder von einem Beat, der ein Detail besaß, dass für sich genommen störend war, im Gesamtkontext des Groove diesen zum Schwingen brachte. Und Schwung, das mag man bei Musik. Element dieses Traums war es dann aber, dass eine Stimme mir die philosophische Unterbodenbeleuchtung solcher Elemente verdeutlichte. Die Stimme sagte: mit solchen "störenden" Elementen, ist es wie mit dem König und dem Volk. Er muss streng oder auch mit Gewalt regieren, das Volk in seinem Frieden stören, damit...

Brot und Käse/brat said cheese

Ich laber nur rum - gebe vermeintliche Weisheiten von mir und binde meine eigenen Erkenntnisse in jedes Gespräch ein, ob es dem Gegenüber passt oder nicht. Houellebecq sagt: jeder hört sich gern selber reden. Kann ich bestätigen. Damit bestätigt man sich selber, versichert sich der Richtigkeit der eigenen Aussagen oder eben Erkenntnisse so lang das Gegenüber nickt oder nichts sagt. Es läuft auf das selbe hinaus, aber nicht das gleiche. Der Unterschied ist in dem Falle egal. Vieles wird egal, während ich versuche etwas von Bedeutung zu sagen oder zu machen. Und es wird egaler, um so länger ich es versuche, weil ich viele Worte und viele Dinge anhäufe und nach Bedeutungsschwere abgetastet oder mit der Zunge umfahren habe. Das geht dann so lange, bis nichts mehr da ist oder aber das eine Ding von Bedeutung gefunden wurde. Wer lange sucht, hat nicht unbedingt Geduld, wohl aber einen hohen Drang zufrieden zu sein. Wer lange sucht, weiß manchmal nicht wonach. Es ist vielleicht auch nicht da...