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Posts

Yung Jemand

C The Strawberry Girl hat mir ein Video des Künstlers Bausa geschickt und mich gefragt, ob ich den kenne. Kannte ich nicht und dann hab ich's mir angesehen und die Zahnräder in meinem Hirn setzten sich knirschend in Bewegung. Herzlichen Dank dafür.  Bausa singt über Liebe in sehr schöner Art. Es ist ein typischer Vertreter der (nicht mehr lange aber zur Zeit noch) angesagten Rap-Spiel Art Trap. Die Stimmen sind verfremdet, die Beats sehr langsam und soft und das Thema des Liedes eher emotional geprägt in angenehmem Kontrast zur sonst eher Macho-Dominierten Art, die man sonst im Rap antrifft. Ob diese emotionale Art nun aber wiederum eine weitere Version des Machismo ist, quasi doppelbödig, kann ich nicht sagen. Darum geht's hier auch gerade nicht.  Bausa singt: "Gib mir mehr von dem, was du Liebe nennst/Auch wenn es keine Liebe ist, ich liebe es". Das ist die Refrain und Kernzeile des Stücks. In den Strophen werden dann verschiedene Szenarien aufgezeigt, wie...

Als das Gute die Geste verlor

Ich habe letzte Woche am eigenen Leib eine meiner derzeitigen Kernthesen erlebt und durchlebt:  "Die Problematiken unserer Zeit sind komplex und kompliziert. Und sich mit ihnen auseinander zu setzen führt nicht unbedingt zum, ebenfalls in unserer Zeit stets propagierten und zwanghaft angestrebten Wohlbehagen." Ich stotterte einige Worte zum Thema "Übergriffigkeit" vor mich hin und kam zu keiner klaren Erkenntnis. Aber: nicht so schlimm. So ist es eben. Der Buna-Plastik-Buddha schaut stoisch in den Wind (Wayfarer auf der Nase, die wo der linke Bügel angebrochen und deshalb etwas flexibel ist) und versucht die Kompliziertheit anzunehmen. Dies durchlebend, schaut er sich diese Woche etwas an, von dem er vorgibt Ahnung zu haben:  Die Geste in der Musik. Ich wohnte einer DJ-Unterhaltung bei. Es wurde vornehmlich Material aus den 80er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts gespielt. Das Material wies einen rauen Charme auf. Es waren experimentelle Kompositionen zw...

Keine Stille. Nur Schweigen

Was macht den Unterschied zwischen Schweigen und Stille aus? Stille ist die vollkommene Abwesenheit störender Geräusche. Schweigen impliziert den Willen zur Stille oder die Forderung von Außen still zu sein. Ich schweige gern und rede viel. Widerspruch? Sicher. Schweigen schafft Raum für die Gedanken und Worte anderer.  Ich habe mich recht lange zur Thematik "sexuelle Misshandlung und Belästigung" ausgeschwiegen. Ist ja auch ein kompliziertes Thema. Ich habe zugehört, was zu dem Thema zu Tage steigt, Stimmte Dingen zu, lehnte andere ab, fühlte Unsicherheit aufsteigen, fing an darüber nachzudenken, ob und wann ich selbst übergriffig gegenüber anderen Menschen handelte, dachte auch darüber nach, ob ich selbst übergriffig behandelt wurde. Zweiteres entzieht sich meiner Erinnerung. Bei ersterem bin ich mir nicht sicher, fing an mein Verhalten aus der Vergangenheit bis zum jetzt zu reflektieren.  Und wie ich erfuhr, geht es ja auch darum, für mich als Mann, der ich bin: d...

Gedänkchen zum Karriererchen

Ich habe letztens etwas von Leipzig nach Halle geschickt. Mit der Post. Nicht zum ersten Mal. Wenn ich etwas nach, zum Beispiel Hamburg schicke, dann ist es meistens am nächsten Tag da. Die Sendung nach Halle brauchte aber 5 Tage. Es war, wie erwähnt nicht das erste mal, dass es so lang dauerte. Warum?, frug ich mich. Erster Gedanke: die Städtefeindschaft. Halle und Leipzig können sich nicht leiden und damit das so bleibt, wird jeglicher Kontakt zwischen Hallensern und Leipzigern, oder in meinem Falle Hallenser in Leipzig und Hallenser in Halle strikt unterbunden. Vielleicht ist der Fall H schickt etwas an H sogar noch schlimmer, weil man in Leipzig denkt, da werden geheime Botschaften und Informationen über L zurück an die Basis in H geschickt. Dann war da noch die Überlegung, das zwischen H und L eine Postkutsche verkehrt, die von einem (blauen) Esel gezogen wird. Die braucht einfach ne Weile, denn der Esel ist schon alt und dementsprechend störrisch und muss mit immer wieder neuen ...

Ohne diese Dinge leben/Prinz Ipien

Brauche ich diese Hose? Brauche ich diesen Zucker? Was brauche ich überhaupt. Nun ja, es ist nicht so übel in Kleidung umher zu gehen, die passt und man nicht aussieht, wie ein zu groß geratenes Kind, das in seinen Sachen versinkt. Die Haltung zum Leben ist eine andere. Man schreitet im engen Beinkleid und präsentiert, was man hat oder nicht hat. Ich fühlte mich auch gleich wie ein richtiger Rocknroller, als ich mal wieder meine Lieblingsjeans trug. Die war ein Glückskauf, eine alte Lee Riders. Habe ich so nicht nochmal gefunden. Aber seit dem einiges an Geld ausgegeben, für gebrauchte Hosen, die weniger gut saßen. Zu eng oder zu weit. Die zu engen habe ich weiter gegeben, die zu weiten behalten und mich tatsächlich daran gewöhnt, sie zu tragen. Hosenbeine umgekrempelt und den Gürtel fest geschnallt. Ist schon nicht so übel. Robuster Stoff der die Beine lässig umschliesst...aber irgendwie auch ein bisschen schlabberig das Ganze. Und so verhält man sich dann auch, lässig. Zu lässig? Ic...

Ein Schal aus Apfelsinenschale am Halse eines Schahs/Die Traumedition

Mir wurde gesagt, ich sei vom Tresen gefallen. Ich habe keine Erinnerung daran. Ich weiß nur, dass ich in den letzten Tagen einige Dinge zum ersten Mal tat: Ich habe zum ersten Mal, während ich ein Konzert gespielt habe, Menschen, die diesem Konzert beiwohnten in die Augen geblickt. Während des selben Konzertes habe ich zum ersten Mal eine Pinkelpause gemacht. Und war das gut? Ja, denn es waren beides Dinge, zu denen ich mich überwinden musste. Und die mir helfen, etwas Abstand zu mir selbst zu gewinnen. Oft bin ich mir zu nah, zu tief in meiner Haut.  Noch etwas tat ich zum ersten Mal: Ich tötete zum ersten Mal einen Menschen in einem Traum. Ich durchschnitt eine Kehle, um ein Horrorspiel zu beenden, in dem ich mich in diesem Traum befand. Das Töten führte aber nicht zum Ende des Spiels. Ich lag dann im Dunkeln und dachte darüber nach, dass Stephen Kings "Es" ziemlich nachhaltig Ängste vor undefinierbaren und jederzeit möglichen Gefahren in mir ausgelöst hat, b...

Gurkenkompressor

Was waren das für goldene Tage und warum fühlte ich mich von ihnen so ergriffen? Ist "ergriffen" der korrekte zeitgemäße Ausdruck? Es wird ja gesagt, solche Worte klingen etwas alt und auch weinerlich. Ich empfand das bisher nicht so, aber was empfand ich dann? Dosenpfand? Ich dachte, die leicht gehobene Sprache möge meine Arbeiteklassenherkunft verschleiern und mir Zutritt zu bis da hin verwehrten Salons und Kreisen gewähren, in denen ich dann für meine Arbeiterherkunft geschätzt werde. Wie ein possierlicher Hund. Also geschätzt für den Unterhaltungswert, den ich bieten kann. Und das alles nur, weil ich "ergriffen" schreibe. Das finden die Leute dann "lustig". Will ich so wahgenommen werden? Ich schreibe hier ja kaum reflektiert sonder eher von oben nach unten, was mir in den Sinn kommt und wenn da nichts kommt, schreib ich trotzdem drauf los. Vielleicht ist das aber ein völlig falscher Ansatz. Einfach so los zu schreiben. Zielführend ist es sicher nicht...