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Für die Hütte/Four the Head


Wenn das Stadtkind sich entschliesst, dem Geböller zu entkommen, dann ist eine Hütte erste Wahl. Ich habe meine Zeit der letzten Tage damit verbracht, zu lernen, wie Feuer gemacht, erhalten und JA, auch gehackt wird und mit dem Feuerhaken kann ich jetzt auch umgehen. So ein Feuer ist recht essentiell für das fröstelnde Naturell. Das hätte das Stadtkind (fast 30 Gezeiten nun schon) nicht gedacht. 



Dass es mal selbstständig Wärmequellen erzeugt und es ist bemerkenswert, wohl aber vom weisen Rising Reissig prophezeit: Es liess sich zur Ruhe kommen. Allein. Oder sagen wir, die Zeit liess sich vergessen. Zwischen Bäumen, sternenübersäeten Himmeln, dem amüsierten Beobachten des Nachbarschafs, dass sich verbotenerweise an den Ziersträuchern und Rosen verköstigte und dafür von eben jenem Nachbar Anschiss bekam und erst zittrigem, dann aber angenehmem tiefdunklem Schlaf unterm Schutz des Marder-Schnüffel-Kratz-Scharr-Schutzgeistes von unterm Dach. 

Die Zeit tickte auch anders, weil sie mit dem Stand der Sonne einher ging - also gar kein Ticken - sondern wandern. Der Blick auf die Uhr - nicht nötig, weil Tagwerk seinen eigenen Verlauf nahm. So taten mir nach 2 Tagen körperlicher Arbeit Rücken und Armgeäst angenehm weh und ich hoffe damit all jenen, die mit körperlicher Arbeit vertraut sind, ein Schmunzeln entlocken zu können. Soviel zum Tage.

Ab Einbruch der Dunkelheit spielte sich bei geist-schärfenden Raumtemperaturen von maximal 9 Grad Celsius das meiste in einem Umkreis von 80cm rund um den Kamin ab. In Decke gehüllt, las ich eine Rio Reiser Biographie und hab mich mal wieder viel zu sehr damit identifiziert (Erkenntnis: schreiben schreiben schreiben, sein sein sein, Konflikte nicht vermeiden) und hab auch Nietzsches Antichrist durchgelesen. Gutes Buch, auch mit Witz. 

So fühlte ich mich doch seit langer langer Zeit mal ausserordentlich geerdet in der Helligkeit und mit Einbruch der Dunkelheit, der Hypnose des Feuers erlegen. Und ich fand Platz für Gedanken. Frisst das Feuer das Holz oder lässt das Holz das Feuer aus seinem Inneren frei? Ja - solche Gespinste entspinnen sich im Stadtkindkopf und auch bemerkte es, wie viel stadtgraues Rauschen zu hören ist in der Stille des Waldes. 

Das Rauschen im Kopf es scheint so unwichtig oder auch überflüssig und konfus - zumindest vieles davon (Soziales, Neidisches, Zwischenmenschlich-Aufwühlendes, wogegen gar nichts wirklich zu tun ist.). Ein wichtiger Punkt ist auch, auf so Elementare Bedürfnisse wie Wärme fokussiert zu sein und unter den Witterungsbedingungen diese zu erfüllen. Da wird schnell klar, was wichtig ist und was nicht.

Dies zu erkennen - erkannt zu haben, lässt mich in erfürchtiger Dankbarkeit erschaudern (und ein bisschen weil es kalt ist) und ich DANKE den Erbauern, den Erhaltern und Besitzern dieser Hütte und der Hütte an sich für ihre Gastfreundschaft und das ich hier verweilen durfte.

DANKE.

TV.

PS:
Sylvester konnte ich seit langem mal wieder verschlafen, was es zu einem der besten Jahresübergänge machte, die ich bisher erlebte.

PPS:
Zum Glück kein Direktkontakt mit Spinnen, obwohl Fliegenkadaver und Netze überall gut sichtbar waren. Einzige Begegnung: ein einzelnes Wolfsspinnenbein im Bett.

Hüttenhitalben:

Cpt. Beefheart - Doc At The Radar Station
Miles Davis - Miles In The Sky
Milton Nascimento - Club Da Esquina (Danke Baby J)




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