Direkt zum Hauptbereich

Los lassen / Zähneknirschend verschwindend in einer Schlucht aus Häusern

Die letzten Reste von rotem Lack auf meinen Fingern sind ein Inselstaat auf den ich eingeladen wurde von einer tollen Menschenfrau. Dort war es warm und ich lag aufgeweicht im Meer der Gefühle. Lies sie heranrollen, die Wellen, die guten und schlechten, die dunklen und hellen. Vor allem die hellen und die guten haben mich begeistert und ich hab sogar ein wenig Farbe bekommen im Gesicht und am Körper.

Und gab Farbe und Leben und Körper sehr gern. Dann kam der Tag an dem ich fahren musste, versteckt hinter der Sonnenbrille in einem gelben Leihwagen rollten Tränen, bis die Dunkelheit herein brach. Der Anstieg des Meeres lässt den Inselstaat verschwinden, auch wenn ich es nicht will. So sitze ich und betrachte meine Fingernägel, während sich der selbsterzeugte Erdbeernebel langsam lichtet.

So sitze ich im Kino mit Crazy S und schaue den Film Carol und zerfließe, weil die beiden Hauptcharaktere in einem Auto nach Westen fahren. In den Westen von Amerika und nichts brauchen außer sich. Naja, sie haben auch Geld, weil die ältere, verführende aus gutem Hause stammt, aber darunter leidet und endlich ausbrechen will. Ein bisschen unterkühlt, aber intensiv. Die jüngere lässt sich treiben im Strudel der Gefühle. Der Liebe. In einfacher aber auch dramatischer Form.



Warum zerfließe ich?

Weil ich letztens gefragt wurde, was ich mir unter einer konkreten Glückssituation vorstelle und dann ziemlich sowas vor mich hin fabulierte. Ein anderes Auto, ein anderes Land, aber der Schock saß ganz gut. Schaut euch den Film an. 

Frances Ha wurde mir nahegelegt. Ein schöner Film über Freundschaft und 20-irgendwas Erwachsen werden. Mehr Filme zu schauen und daraus für's Leben zu lernen, hat mir auch die Menschenfrau aus dem Inselstaat der roten Nägel geraten. Für Kreeps wie mich extrem hilfreich. Danke.


Es ist noch einiges an Texten für neue Songs zu pumpen, aber langsam sehe ich 1 Horizont und wollte euch eigentlich einen Coverentwurf zeigen, der sich am "Nachdenkliche Sprüche mit Bilder Phänomen" orientiert. Es sollte ein Bild von 1 niedlichem Kaninchen sein, ein bisschen purple eingefärbt. Und darüber der Spruch: Ich hase meim Lebn #IHML.

Aber ich hab kein Bock mehr auf so viel Ironie. Und bitte euch, dass Bild und den Titel zu imaginieren, kurz zu lachen und dann wieder zu vergessen.

Lieber ehrlich, nüchtern und zittrig roamend durch die Straßen auf der Suche nach Freuden, Freunden und Liebe. Das Echo der knirschenden Zähne an den Fassaden reflektiert, als Orientierung auf dem Weg nach draußen.

TV.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

#412 Atemschrei

Seit 10 Jahren kehrte er das Treppenhaus eines Buchlagers. Ein alter Plattenbau mit Stufen aus glattem Beton und definierten Winkeln und Kanten. Nicht wie die ausgetretenen Holzstufen im Nebengebäude der Tierpathologie, in der er vorher angestellt war. Den Dreck dort aus den Rissen und Fugen herauszubekommen, dauerte Stunden. Aber hier auf dem Beton fühlte es sich an wie ein Tanz, wenn er den Besen in sanften Wellen über den Boden schwang. Auf dem Weg dort hin und zurück kam er jeden Tag an einem kleinen Geschäft vorbei. Lange Zeit war es ein Imbiss, betrieben von einer Frau und einem Mann, die Filterkaffee, Cola in Dosen und zwei Sorten Flaschenbier verkauften. Dazu ganz akzeptable Pommes aus einer in die Jahre gekommen kleinen Fritteuse.  Als er sich entschloss, mit den beiden einmal mehr Worte zu wechseln, als "Eine Cola, bitte."   - "1,20" und "Stimmt so." teilte ihm die Frau mit, dass sie in zwei Wochen endgültig schließen - Rente. Beide hatten bis z...

#410 Bibelfliege

Steve sitzt an seinem Küchentisch. Der Tisch ist aus einem hellen Holz gefertigt, er hatte ihn gebraucht gekauft, einige dunkle Verfärbungen, dort wo schon vor ihm jahrelang Menschen ihre Arme abgelegt hatten. Erst beim Essen und später auch die Köpfe nach langen Trinknächten. Da sind auch Kerben, wo rohes Fleisch und Zwiebeln direkt auf dem Holz geschnitten wurden. Vielleicht sogar, so denkt er sich, hat auf diesem Tisch mal jemand Buchstaben aus einer Zeitung für einen Erpresserbrief mit dem Teppichmesser ausgeschnitten und dabei kleine Kerben hinterlassen.  Er fährt mit seiner Hand über den Tisch. Hinter ihm fällt flaches Sonnenlicht durch das Fenster. Die Blätter der beiden Bäume auf dem Hof verlieren langsam ihr Grün, aber der Wind ist noch nicht stark genug, sie von den Ästen zu reißen. Neben dem Tisch hängt ein Schrank, der zu der ebenfalls gebrauchten Einbauküche gehört, die Steve einer Frau abgekauft hat, die aus ihrer Stadtwohnung aufs Land zog. "Aus gesundheitlichen Gr...

#408 Verschwommene Kontore/Verdammnis

Durch das Fenster fällt Licht. Es ist das Licht aller Laternen der Stadt, dass sich an der Wolkendecke reflektiert. Es ist ein schwaches, leicht oranges glimmendes Licht, dass man auch sehen kann, wenn man sich Nachts über eine der Zubringerstraßen dieser Stadt nähert. Es hängt wie eine Glocke über den Häusern. Und in einem dieser Häuser liege ich unter dem Dach auf meinem Bett und starre den Schrank an, der an der Stirnseite meines Zimmer steht. Ich wende den Blick nicht ab und sehe, dass sich eine der Türen ganz langsam öffnet. An der oberen Kante zeichnet sich ein Schatten ab, schwarz, ungefähr so groß wie eine Hand und ohne dass ich Augen oder einen Mund erkennen kann, weiß ich, dass dies der Kopf sein muss, von diesem Etwas, dass mich beobachtet. Denn ja, ich fühle mich beobachtet, betrachtet. Das Wesen verharrt genauso wie ich für eine knappe Minute bevor es sich wieder ganz langsam hinter die Schranktür zurück zieht und diese dann auch schließt. Ich blinzele und stehe auf. Ich w...